VORTRAG UND GESPRäCH MIT ANNEKE DE RUDDER
Nürnberger Prozess 1946: Blicke aus Exil und Widerstand
Dienstag, 5. Mai, 19:00 Uhr, Martin-Niemöller-Haus
„So viel Anfang war nie … 1946 I 1947 I 1948 I 1949“
Eine Veranstaltungsreihe des Martin-Niemöller-Hauses in Kooperation mit Dr. Sigurd Rink
Immer im Mai, bis zum 80. Jahrestag der Gründung der beiden deutschen Staaten 2029, denken wir über das Ende der NS-Diktatur, Neuanfänge und Kontinuitäten nach. Wir fragen auch: welche Rolle spielten die Frauen und Männer des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus nach 1945?
„In den Monaten von Nürnberg überschnitten sich viele Linien, intellektuelle und emotionale, solche der Vergangenheitsbewältigung und solche der Zukunftsbetrachtung, politische und sehr persönliche.“ So formulierte es rückblickend Willy Brandt, der als norwegischer Kriegsberichterstatter den Nürnberger Prozess 1945/46 beobachtete. Und ganz ähnlich nahmen es auch viele andere Beobachter und Akteure des Prozesses wahr. Im Nürnberger Gerichtssaal prallten Welten aufeinander, trafen sich Weggegangene und Daheimgebliebene, Befürworter und Kritiker, Zukunfts- und Rückwärtsgewandte. Der Prozess war ein Scharnier zwischen heute und gestern, der letzte Akt des Krieges und zugleich der erste große Rückblick auf diesen Krieg. Im Mittelpunkt des Vortrages wird dabei die Frage stehen, wie Menschen aus Exil und Widerstand auf den Prozess blickten – ob sie ihn nun mitgestalteten wie Robert Kempner, ihn kritisch-wohlwollend begleiteten wie Ruth Andreas-Friedrich oder als unangemessene Lösung ablehnten wie Eric Warburg.
Die Historikerin und Amerikanistin Anneke de Rudder hat zur Geschichte der Nürnberger Prozesse geforscht und über Frauen in der Emigration publiziert. Sie ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und hat dort die Aufgabe, Raubgutbestände zu identifizieren, zu verzeichnen und zu restituieren.
Zu der Veranstaltung lädt das Martin-Niemöller-Haus der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Dahlem herzlich ein.